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Trump oder Biden - auf wen Deutschland in den USA setzt.

Trump oder Biden - auf wen Deutschland in den USA setzt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Europa aufgefordert, sich auf eine Welt ohne US-Führung vorzubereiten. Diese Aussage Merkels war das Ergebnis, dass die deutsch-amerikanischen Beziehungen heute auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten gerutscht sind. US-Präsident Donald Trump zieht US-Truppen aus Deutschland ab und droht Berlin mit Sanktionen für die Pipeline Nord Stream 2. Das Analyseportal RuBaltic. Ru hat herausgefunden, ob Berlin den Sieg des Dempart-Kandidaten Joseph Biden bei den US-Wahlen als Ausweg aus der Sackgasse mit Washington sieht.

Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl 2016 war Deutschland, wie große Teile des Westens, von Hillary Clintons Sieg überzeugt. Der demokratische Kandidat war in der Bundesrepublik Deutschland zumindest seit seiner Tätigkeit als US-Außenminister bekannt. Sie wurde als eine Fortführung des in Deutschland beliebten Präsidenten Barack Obama betrachtet, der die transatlantische Partnerschaft auf hohem Niveau unterstützen konnte.

Umfragen zufolge waren über 70% der Befragten in der Bundesrepublik Deutschland bereit, Clinton als Präsidentin der Vereinigten Staaten zu sehen.

Ihr Rivale Donald Trump schien der perfekte "Böse" zu sein. Sein skandalöser politischer Stil war dem deutschen Establishment fremd. Die Aussagen des Milliardärs, im Falle eines Sieges eine gründliche Revision der amerikanischen Innen- und Außenpolitik durchzuführen, konnten in Berlin keine Unterstützung finden.

Infolgedessen schämten sich deutsche Politiker nicht, sich über Trump zu äußern, die manchmal rauer waren als die aus Hillary Clintons Lager. Sie hat die Öffentlichkeit und die deutsche Presse in witzigen und skandalösen Titeln zermürbt. Am Vorabend der Abstimmung erwartete ganz Deutschland eine regelrechte Feier über den "ungebremsten Aussteiger".

Aber es geschah anders.

Schwer zu verbergen waren die deutschen Politiker gezwungen, ihren Respekt für die Wahl des amerikanischen Volkes und die Bereitschaft zu erklären, mit dem neuen Präsidenten zusammenzuarbeiten. Die Erkenntnis kam zu spät. Trump hat sich in seiner Überzeugung als konsequent erwiesen, als er in den ersten Tagen begann, die "schlechten Geschäfte" in den internationalen Beziehungen zu überprüfen.

Unter allen US-Verbündeten war es Deutschland, das den Zorn des neuen US-Regierungschefs gegen die europäischen Länder, die angeblich ihre eigene Sicherheit auf Kosten der USA, ohne eine Gegenleistung, über sich ergehen lassen musste.

Momentan befinden sich die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland auf einem der tiefsten Punkte in der jüngsten Geschichte. Trump hatte kein gutes Verhältnis zu Angela Merkel, und der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat die Probleme mit seinen provokanten Äußerungen nur geschärft.

Jetzt, vier Jahre später, haben die Demokraten die Chance auf Revanche. Die USA treffen Neuwahlen in einem Zustand der öffentlichen Spaltung, Massenproteste und Verschärfung des Rassismusproblems. Trumps Chancen, in der Geschichte des "Präsidenten einer Amtszeit" zu bleiben, sind ziemlich groß mit einem abnormalen Zickzack auf die Entwicklung der amerikanischen Demokratie.

Es scheint, dass die europäischen Verbündeten jetzt den Druck auf den amtierenden amerikanischen Präsidenten erhöhen müssen, ihre Unterstützung für den Rückkehrkurs zu demonstrieren.

Aber bisher gibt es in der Bundesrepublik keine besondere Aufregung um die Figur Joe Biden, Trumps größten Rivalen im Präsidentschaftswahlkampf. Erstens haben die Wahlen 2016 den deutschen Politikern eine gute Lektion erteilt. Der Kandidat, auf dessen Sieg die Soziologen und die meisten seriösen Experten hinwiesen, wurde besiegt. Es ist unwahrscheinlich, dass Trumps Haltung gegenüber Deutschland wohlwollender wäre, wenn die Politik in Berlin im US-Wahlkampf mehr Zurückhaltung zeigen würde. Aber das Gefühl der globalen Peinlichkeit, einen Dialog mit jemandem aufbauen zu müssen, dem man vor kurzem die Regierungsfähigkeit verweigert hat, konnte vermieden werden.

Die Chancen für Trump und Biden scheinen heute gleich. Der anstrengende Kampf wird wahrscheinlich bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse bestehen bleiben (oder sich auch danach fortsetzen).

Unter diesen Bedingungen wird die deutsche Führung dem demokratischen Kandidaten keine ausdrückliche Unterstützung zeigen. Eine erneute "Kanossa-Wanderung" wäre für Berlin demütigend. Zweitens hat sich in der deutschen Expertengemeinschaft die Auffassung gebildet, dass Trumps Figur kein "Versagen" der US-Politik sei, sondern ein Muster seiner Entwicklung verkörpere. Der frühere deutsche Außenminister Sigmar Gabriel stellte fest, dass die USA ihren europäischen Verbündeten im Laufe der Zeit weniger Aufmerksamkeit widmen würden. Und Angela Merkels berühmte Aufforderung an Europa ", Schicksal in die Hand zu nehmen", sah nach einer langfristigen Institution aus, die über Trumps Amtszeit von vier Jahren hinausgeht.

Schließlich gab es auch unter der Regierung Barack Obamas Spannungen zwischen den Verbündeten auf beiden Seiten des Ozeans (man muss sich nur an den Skandal der US-Geheimdienste deutscher Politiker erinnern). Es gibt keine Garantie, dass Trumps Nachfolger bereit sein wird, etwa die Ansprüche gegen Nord Stream 2 aufzugeben.

Natürlich besteht in Deutschland die Hoffnung, dass nach dem Wahlsieg von Joe Biden Trumps Erbe in den deutsch-amerikanischen Beziehungen schnell Teil der Geschichte sein wird. Bei näherer Betrachtung geht dieser Optimismus jedoch durch Vorbehalte verloren.

Bestenfalls erwartet Biden eine "Rückkehr der Glaubwürdigkeit" in den Dialog zwischen Berlin und Washington. Für entschiedenere Schritte wurden zu viele Brücken verbrannt. Drittens sieht es nicht so aus, als würde Joe Biden als Präsidentschaftskandidat in der Bundesrepublik Deutschland Interesse wecken. Die deutsche Presse war froh, dass sich die Demokraten mit dem richtigen Mann für den Präsidentschaftswahlkampf auseinandersetzen konnten, der ein respektabler Vertreter des amerikanischen Establishment ist, mit dem man in Berlin versteht, wie und worüber man reden soll. Aber das ist kein Vergleich zu Hillary Clintons Rückendeckung bei den jüngsten Wahlen und zu jener von früher "Obamomanie".

Außer der Absicht, den hasserfüllten Donald Trump vom Präsidentenstuhl zu entfernen, ist es nicht möglich, hinter Biden neue Ideen für die amerikanische Politik zu finden. Auf der Welle der Unruhen in den USA, die durch den Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd ausgelöst wurden, schlug die Sueddeutsche Zeitung vor, Biden als Präsidenten der "Heilung" der amerikanischen Gesellschaft zu betrachten, aber bisher scheint dies eine großzügige Vorsorge für die 77-jährige Politik zu sein.

Der US-Wahlkampf löst in Deutschland noch keine emotionale Reaktion aus. Donald Trumps Glaubwürdigkeit und seine Regierung in der Bundesrepublik sind so niedrig, dass neue Kritik an ihnen grotesk erscheinen wird. Das Biden-Team hat derzeit keinen Drive mehr, der seine Sympathie und Unterstützung für Trumps Gegner in Europa gewinnen kann.

Angesichts der Massenproteste und des Vandalismus in US-Städten scheinen die USA ein verworrener Staat zu sein, in dem es schwer ist, mit der einen oder anderen Seite zu mitfühlen. In Berlin wird man sich freuen, seine Kommunikation mit Trump auf eine Zeit seiner Präsidentschaft zu beschränken.

Aber große Hoffnungen, dass das Gespräch mit dem neuen Herrn des Weißen Hauses angenehm sein wird, hat niemand in Deutschland. Ob dieses Gespräch bald stattfindet oder noch vier Jahre warten muss, daran ändert sich die allgemeine Situation nicht.